Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS) e. V.

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Dt.-Poln. Tandemsprachkurs

GFPS-Sprachkurs 2005 in Jarkowice und Barmstedt

Jak się Sarah Conner tandemuje?

[Photo] Gruppenphoto im Wald
Gruppenphoto im Wald.

Der diesjährige GFPS-Sprachkurs fand vom 30.7.–27.8.2005 zuerst in Jarkowice im Riesengebirge und anschließend in Barmstedt in Schleswig-Holstein statt. Die Unterkunft in Jarkowice war traumhaft abseits am Rande der Berge gelegen und lud zu vielen schönen Wanderungen ein. Zur offiziellen tschechischen Grenze waren es nur einige Kilometer Fußmarsch, falls vorher nicht bereits »ordnungswidrig« die grüne Grenze überschritten worden war. Kleiner Nachteil dieser Einsamkeit unsere Herberge war für die Telefomanen das kaum vorhandene Mobilfunknetz. Dies führte gelegentlich dazu, daß sich auf dem Parkplatz bzw. der Wiese vor dem Haus merkwürdige, vermutlich nicht besonders rückenschonende Verrenkungen beobachten ließen, wenn plötzlich jemand auf 85 Zentimeter Höhe ein Netz entdeckte.

Die Wiese vor dem Haus war aber nicht nur wegen ihrer möglicherweise vorhandenen Mobilfunknetzabdeckung heiß begehrt, sondern sie ließ sich auch wunderbar zum Volleyball-, Fußball-, Basketball-, Federball- bzw. neudeutsch Badmintonspielen verwenden. Daneben luden auch zwei, zugegebenermaßen nicht sehr vertrauenswürdig aussehende und klingende Schaukeln, immer wieder zu schneller-, höher-, weiter- Wettbewerben ein.

Die Wiese war bei gutem Wetter, das heißt nur etwa leider die Hälfte der Zeit, auch fürs nachmittägliche Tandem sehr beliebt. Leider, leider waren wir nicht die einzigen, die diese Wiese liebten. Die Hühner des Herbergseigentümers Bronek waren vermutlich sehr eifersüchtig auf die Beschlagnahmung ihrer Wiese durch uns, so daß sie zu Höchstformen aufliefen, jeden Tag aufs neue ihre Anspruchsrechte durch zart duftende Reviermarkierungen zu untermauern. Es war ein Kampf, den die Tamdemierer am Ende wohl verloren haben …

[Photo] Tandemowac-sie
Tandemowac-sie.

Nicht verloren wurde aber der Kampf, die andere Sprache zu lernen, der zu einigen kreativen Wortschöpfungen führte. Die bedeutendste wird vermutlich sich tandemieren bzw. tandemować się werden, welche zum offiziellen Motto des GFPS-Sprachkurses avancierte und nun darauf wartet, in die neusten Ausgaben des Dudens und der Wörterbücher dieser Welt aufgenommen zu werden. Knapp geschlagen wurde in der Motto-Diskussion übrigens das Statement: Milch tötet Kühe, welches in einer der morgendlichen Unterrichtsstunden entstand. Dort wurden ebenfalls so wichtige Dinge diskutiert wie die Frage, warum sich Sarah Conner nun verbrüht und nicht verglüht hat und ob Jak się masz kochanie wohl Diskopolo sei oder nicht!?

Nach zwei Wochen Aufenthalt in Jarkowice ging es nach einer emotionalen Abschiedsansprache von Herbergsvater Bronek und nach kurzem Aufenthalt in Wrocław dann mit einem Haufen schmutziger Wäsche sowie mehreren Kranken bzw. Halb-Invaliden (Gute Besserung, Marco und Thomas) nach Barmstedt in Schleswig-Holstein weiter. Die dortige Jugendbildungsstätte, unsere Heimat für die restlichen zwei Wochen, war das ehemalige Krankenhaus der Grafschaft Rantzau und somit ideal dazu geeignet, alle Zöglinge wieder aufzupäppeln. Der Bänderriß bzw. Kreuz- und Innenbandriß haben es leider nicht geschafft, in der kurzen Zeit zu heilen, aber alle weiteren Viren konnten durch intensiven Kontakt mit der Barmstedter und umliegender Ärzteschaft gebändigt werden. Auch beim Run auf die Waschmaschine wurde durch ein ausgeklügeltes Losverfahren weiteren Verletzten vorgebeugt und obendrein konnte sich jeder, der wollte, nach zwei Wochen in frische und trockene Wäsche hüllen.

Unterrichts- und Kulturprogramm wurden in Barmstedt unmittelbar wieder aufgenommen. Während wir auf der Spitze der Schneekoppe noch die Ehre hatten von, der Name sagt es, Schneeflocken empfangen zu werden, erlebten wir den Strand von St. Peter Ording bei fast strahlendem Sonnenschein. Selbst einige unser Kranken wagten, vermutlich zur Stärkung der Abwehrkräfte, ein Bad in der Nordsee.

Die weitere Zeit verging ganz schnell. Mittlerweile mußten alle mitkochen und -putzen, was uns einige tolle Gerichte bescherte und einigen Teilnehmern, die der polnischen Kartoffeldiät etwas kritisch gegenüberstanden, bei Reis oder Nudeln ein Lächeln ins Gesicht zauberte. In der letzten Woche hatte dann jeder noch einmal die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Wer beim Vampirball noch nicht seine geheimen weiblichen bzw. männlichen Triebe ausgelebt hatte, konnte dies spätestens beim Literaturabend bzw. Abschiedsfest tun. Die einen taten dies mehr, die anderen weniger! Insgesamt wurden bei Schiller, den Nibelungen, in zahlreichen Gedichten, beim Quiz, den singenden Zigeunern oder auch Loriot eine Reihe schauspielerischer Talente sichtbar.

Am Ende bekamen dann alle Teilnehmer ein Zeugnis sowie ein von den »Orgs« persönlich ausgewähltes Geschenk mit auf den weiteren Lebensweg. Umgekehrt wurden auch Daniel, Ruth, Magda, Jacek und Antje von ihren mittlerweile fast vollständig gesundeten Zöglingen mit einem individuellen Geschenk und dem ehrlichen Dank für eine wirklich schöne Zeit wieder in die Freiheit entlassen. Nach einer großen Putzaktion und einem rauschenden Fest, wobei eines ins andere über ging, machten sich dann »Polen, Deutsche und Betreuter« ♫ (und Lehrer) auf den Weg zurück nach Hause.

Alexandra Martin


Weitere Bilder

Bildersammlung von Radosław Durkiewicz

R. D.