GFPS e. V. > 2003 > Schreibwerkstatt
Ende September (20.9.-27.9.2003) trafen sich in Rodowo vierzehn junge Schreibende aus Polen und Deutschland zu einer sechstägigen Schreibwerkstatt. Ziel der Veranstaltung war es, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, ihre Texte zu besprechen und zu überarbeiten, neue Anregungen zu erhalten und sich auszutauschen.
Nicht nur im Hinblick auf diese Ziele war das Treffen eine gelungene Veranstaltung. Teilnehmer und die leitenden Schriftsteller (Adam Wiedemann aus Krakau, Uljana Wolf und Agnieszka Dębska, Berlin) verstanden sich sehr gut (was nicht nur an der hohen Anzahl deutsch und polnisch Sprechender lag), sodass sehr schnell eine gemeinschaftliche Atmosphäre und Dynamik entstand.

Ob mit Laptop, ...
Obwohl Literaten offenbar durchweg Individualisten mit sehr konkreten eigenen Vorstellungen sind (wie der Organisator besonders bei den gemeinsamen Ausflügen feststellen konnte) bestanden eine große Bereitschaft und das Bedürfnis zur Gruppenarbeit. Davon zeugten spontane Leseabende und Gesprächsrunden, bei denen sehr offen kritisiert und diskutiert wurde. An einem Text sehr persönlichen Text über einen Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz entzündete sich eine heftige Diskussion, die im Laufe des Seminars mehrmals wieder aufgegriffen wurde und zwei weitere Texte zu diesem Thema entstehen ließ. Die Fragen, in welcher Form über Auschwitz geschrieben werden kann, was Kunst darf und kann, inwieweit Literatur überhaupt ein geeignetes Mittel ist, Themen wie die Shoah zu verarbeiten wurden heftig diskutiert.

... weit weg von der Zivilisation ...
Ausgleich schafften die Übungen zum kreativen Schreiben im Programm. Das »Covern« bekannter Gedichte, die Beachtung bzw. die bewusste Ignorierung der »Hamburger Dogma-Regeln« und andere Übungen ermöglichten den Teilnehmern eine ungewohnte Schreibsituation und einen spielerischen Umgang mit Themenwahl und Sprache. Vielseitigkeit und hohe Qualität der Texte werden mit der Anthologie sichtbar, die noch in diesem Jahr gedruckt wird.

... oder in der Gruppe: Gedankenfluss beim »kreativen Schreiben«
Sicherlich hat auch das gute Wetter einen positiven Einfluss auf die Werkstatt gehabt. Fast durchweg konnte im Freien gearbeitet werden. Am Tag vor der großen Abschlusslesung besuchten wir die erhaltene mittelalterliche Stadt Reszel, das ehemalige »Führerhauptquartier Wolfsschanze« und die Wallfahrtskirche »Heilige Linde« (Swięta Lipka).

Abendliche Diskussion bei Kerzenschein
Die Veranstaltung war nach Auskunft aller Beteiligter eine sehr schöne und lohnende Erfahrung und wird hoffentlich nicht die letzte dieser Art von GFPS gewesen sein. Möglich gemacht hat sie die großzügige Finanzierung durch die Allianz-Kulturstiftung das DPJW und die Jugendbegegnungsstätte Camp Rodowo. Ihnen, so wie den Teilnehmern und Schriftstellern möchte ich für das Zustandekommen der Schreibwerkstatt danken und freue mich darauf, die Ergebnisse anhand der Anthologie vorstellen zu können.
Tim Buchen
(tim.buchen@gfps.org)
Drei Texte haben wir bereits jetzt schon von der Schreibwerkstatt mitgebracht:
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Letzte Änderung: 15.05.2006