Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS) e. V.

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Zusammen zwischen den Ufern und auf der „Anarche“: Eine Lesung aus Emilia Smechowskis Buch „Wir Strebermigranten“

In ihrem autobiografischen Roman „Wir Strebermigranten“ erzählt Emilia Smechowski ihre persönliche Migrationsgeschichte. Damals, in den 1980er Jahren, war sie als Kind zusammen mit ihrer Familie aus Polen nach Westberlin gezogen, um dort von einem Tag auf den nächsten ein neues Leben anzufangen. Es ist eine Geschichte über Leistungsdruck, Scham und dem alltäglichen Kampf, bloß nicht aufzufallen.

  • Zwischen den Ufern

    Zwischen den Ufern

  • 3 (C) Gabriella Falana

    3 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 1 (C) Gabriella Falana

    1 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 2 (C) Gabriella Falana

    2 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 4 (C) Gabriella Falana

    4 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 5 (C) Gabriella Falana

    5 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 6 (C) Gabriella Falana

    6 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 7 (C) Gabriella Falana

    7 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 8 (C) Gabriella Falana

    8 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 9 (C) Gabriella Falana

    9 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 10 (C) Gabriella Falana

    10 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 11 (C) Gabriella Falana

    11 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 12 (C) Gabriella Falana

    12 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 13 (C) Gabriella Falana

    13 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 15 (C) Gabriella Falana

    15 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 16 (C) Gabriella Falana

    16 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 19 (C) Gabriella Falana

    19 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 20 (C) Gabriella Falana

    20 (C) Gabriella Falana 25.07.2018

  • 17 (C) Michael Horn

    17 (C) Michael Horn 25.07.2018

  • 18 (C) Michael Horn

    18 (C) Michael Horn 25.07.2018

 

Der Weg zum Ort der Lesung, „Anarche“, einem 15 Meter langen und 5 Meter breiten Holzboot, war für einige bereits ein kleines Abenteuer: Hatte man die Anlegestelle mit Hilfe der Koordinaten gefunden, musste man noch über ein Geländer klettern, um zuletzt mit einem großen Schritt den Spalt zwischen festem Boden und Floß zu überwinden. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Die ca. 50 Teilnehmer*innen machten es sich auf Bänken, Holztruhen, Kissen oder Treppenstufen mit einem kühlen Getränk bequem. Nach einer kurzen Fahrt, legten wir mit Blick auf die Insel der Jugend an und Emilia Smechowski begann mit ihrer Lesung. Mit ihr auf dem Podium Denis Friedrich (Europa-Universität Viadrina) und die Moderatorin Ulrike Kind (Senatskanzlei Berlin). Die Autorin las aus drei verschiedenen Teilen ihres Buches vor. Nach jeder Lesung stellte Ulrike Kind und das Publikum Fragen zu dem entsprechendem Teil. Die Fragerunde beendete Denis Friedrich jeweils mit Kommentaren aus seinem Blickwinkel und stellte dabei selber noch einige Fragen.

Die Diskussion mit dem Publikum führte entlang der gesellschaftspolitisch durchaus heiklen Begriffe wie Integration und Zielgesellschaft, Identität und Migration, mit denen sich Emilia Smechowski in „Wir Strebermigranten“ an der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzt. Auch private Fragen zum Buch beantwortete sie sehr offen. Überraschend, aber zugleich auch gar nicht, kam eine Frage aus dem Publikum auf Polnisch, die Emilia Smechowski übersetzte. Das Publikum war sehr durchmischt, weshalb auch verschiedene Interessen am Buch und an der Autorin durch schienen. Es meldeten sich Menschen aus Polen zu Wort, Menschen die am Thema wissenschaftlich interessiert waren, aber auch Menschen, welche die Veranstaltung aus ganz persönlichen Gründen besuchten. Die Frage auf die Reaktion von Emilia Smechowskis Eltern auf das Buch fand ich persönlich besonders interessant, da ihre Antwort zeigte, wie schwierig der Umgang mit der veröffentlichten eigenen Migrationsgeschichte innerhalb der Familie ist.

Ich als Person mit Migrationshintergrund konnte mich oft in einigen Anekdoten von Emilia Smechowski wiederfinden. Am meisten schmunzelte ich, als die Autorin meinte, dass sie immer noch Probleme mit deutschen Sprichwörtern und Redewendungen hat.

Als die Lesung zu Ende war, herrschte immer noch eine offene und ausgelassene Stimmung. Ob es an der entspannten Schallplattenmusik, einem unerwarteten Chorkonzert von einem anderen Floß, dem Sonnenuntergang oder dem Schaukeln des Floßes lag? Oder doch an der wunderbar offenen und ehrlichen Art, die eigene Migrationsgeschichte zu erzählen?

Antworten zu gelungener Integration oder der Bedeutung der Identität von Migrant*innen, wurden nicht gefunden. Aber dies war auch gar nicht das Ziel der Veranstaltung. Da die Floß-Lesung aus „Wir Strebermigranten” die Menschen vielmehr zum Diskutieren und Nachforschen anregte, bot GFPS am nächsten Tag bei einem offenen Treffen am Spreeufer die Gelegenheit sich weiter auszutauschen und das Gehörte gemeinsam zu reflektieren.

Anna Kunkel