Nachruf auf Prof. Hans Maier
Am 8. Juni 2026 verstarb kurz vor seinem 95. Geburtstag Prof. Hans Maier aus München. Er war ein enger Freund und Unterstützer der GFPS.
Am 8. Juni 2026 verstarb kurz vor seinem 95. Geburtstag Prof. Hans Maier aus München. Er war ein enger Freund und Unterstützer der GFPS. Wie kam es dazu? Dazu kann ich eine persönliche Erinnerung beitragen.
Irgendwann in den 1980er Jahren gab die Pianistin Edith Picht-Axenfeld ein Benefizkonzert für die GFPS in München. Es war mir gelungen dafür den großen Saal der Katholischen Akademie in München zu bekommen, dank der Großzügigkeit des damaligen Leiters Franz Henrich. Kurz vor dem Konzert ging ich auf die Bühne und erzählte, was die GFPS macht und welche Art von Unterstützung wir brauchen. Ich erwähnte, dass wir gerade in München eine Familie suchen, die einen polnischen Stipendiaten (kostenlos) bei sich aufnimmt. Gleich nach dem Konzert meldete sich ein Herr aus dem Publikum: es war Prof Hans Maier, der – sicherlich nach Rücksprache mit seiner Frau – die Bereitschaft äußerte, einen GFPS-Stipendiaten bei sich aufzunehmen. Diese spontane Reaktion hat mich damals sehr beeindruckt. Mehrere Male nahm Familie Maier GFPS-Stipendiat/innen auf.
Prof. Hans Maier war als bayerischer Kultusminister (von 1970–1986) bundesweit bekanntgeworden. Eigentlich war er kein Bayer, sondern ein in Freiburg geborener Südbadener. Selten habe ich einen so gebildeten Menschen – man könnte auch sagen „Universalgelehrten“ - kennengelernt: Philosophie, Theologie, Politikwissen-schaften, Geschichte, Kunstgeschichte und Musik, die selbstverständliches Element seines Bildungsverständnisses war. Er spielte mit Begeisterung die Orgel und schenkte mir einmal eine von ihm eingespielte CD mit adventlicher Orgelmusik. Vor und nach seiner Zeit in der Politik war er Professor an der Uni München. Von 1988–1999 hatte er den Guardini Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie inne. Die Bandbreite seines Schaffens wird an (einigen) Titeln seiner Bücher deutlich: Christentum und Gegenwart; die christliche Zeitrechnung; politische Religionen; Revolution und Kirche; Deutschland: Wegmarken seiner Geschichte; Die Orgel: kleine Geschichte eines großen Instruments; Mit Herz und Mund: Gedanken zur Kirchenmusik.
Hans Maier verband auch eine enge Freundschaft mit Prof. Wladyslaw Bartoszewski, dem Schirmherren der GFPS-Polska. Er half ihm in den achtziger Jahren eine Gastprofessur an der Uni in München zu bekommen. 1986 war Hans Maier der Laudator, als Bartoszewski den Friedenspreis des deutschen Buchhandels in der Paulskirche verliehen bekam. In den neunziger Jahren nahm Prof. Maier an der Konferenz aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der GFPS e.V. auf Schloss Baranów Sandomierski in Polen mit einem Vortrag teil (1994). Durch dieses Treffen, das zugleich die Geburtsstunde der GFPS-Polska war, lernte er die GFPS noch besser kennen. Maier schrieb danach einen begeisterten Artikel über die GFPS im Rheinischen Merkur, zu deren Publizisten er zählte. Ferner unterstützte uns Prof. Maier als Kuratoriumsmitglied der Robert Bosch Stiftung (RBS) und trug so zur Bewilligung mancher Förderung der GFPS durch die RBS bei.
Schließlich hat Maier auch als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (1976–1988) den Dialog mit polnischen Laienkatholiken, wie z.B. Tadeusz Mazowiecki gepflegt, der 1989 Ministerpräsident Polens wurde und auch mit der GFPS freundschaftlich verbunden war. Eine Frucht dieses Dialogs war die gemeinsame Erklärung deutscher und polnischer Katholiken vom 1. September 1989 aus Anlass des 50. Jahrestags des deutschen Überfalls auf Polen und Beginn des Zweiten Weltkrieges, die Maier mitinitiierte. Darin wurde die Bedeutung der Aussöhnung von Deutschland und Polen und die Überwindung der Teilung Europas hervorgehoben, zu der Hans Maier auf seine liebenswürdige, besonnene und gleichzeitig sehr konsequente Art viel beigetragen hat. Wir werden ihn als Freund der GFPS in guter Erinnerung behalten.
Georg Ziegler (GFPS-Vorsitzender 1984–89)
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