Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS) e. V.

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Nachruf Wojtek Hann

[Photo] Wojtek Hann

Wir gedenken an einen ehemaligen GFPS-Stipendiaten.

WOJTEK HANN, ENGER FREUND DER GFPS, JÄH AUS DEM LEBEN GERISSEN

Am 16. Januar 2026 erreichte uns die traurige Nachricht, dass Wojtek Hann bei einem Skiunfall in Georgien ums Leben gekommen ist. Wojtek gehörte zu den ersten GFPS-Stipendiaten in den 1980er Jahren. Er hatte ein Semesterstipendium an der Universität Karlsruhe, wo er Physik studierte. Nach der Wende absolvierte er ein MBA-Studium in den USA und ging in die Wirtschaft, zuerst im Consulting-Bereich dann direkt bei verschiedenen Förderbanken. Er betreute vor allem Investments (einschließlich Fusionen) im Energie- und Umweltbereich. Einige Jahre lang war er CEO der polnischen Umweltbank.

Wojtek war jemand, der trotz immenser beruflicher Aufgaben, immer bereit war, sich auch gesellschaftlich zu engagieren und sich für viele Anliegen und Menschen einzusetzen. Als das Kriegsrecht im Dezember 1981 verhängt wurde, war er 17 Jahre alt und hat sich als Schüler sofort der demokratischen Opposition angeschlossen: er verteilte Flugblätter und beteiligte sich an Untergrund-Publikationen und nahm dabei das Risiko von Hausdurchsuchungen und Festnahmen in Kauf. Als Student in den scheinbar so perspektivlosen Jahren achtziger Jahren war er in der Studentengemeinde beim Dominikanerpater Ludwik Wiśniewski aktiv, einer der bis heute mutigsten, politischsten und kritischsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche in Polen, der ganze Generationen von Studierenden in Danzig, Lublin und Breslau zum gesellschaftlichen Engagement als Christen aufrief. Hier fand er Inspiration, ein moralisches Fundament und sehr viele Freunde fürs Leben, einschließlich seiner Frau Monika, die auch GFPS-Stipendiatin war. Noch im November kamen fast 40 Freunde aus diesem Kreis zusammen, um Wojteks 61. Geburtstag zu feiern, meine Tochter Melanie und mich eingeschlossen. Das Erleben von Gemeinschaft, die über die eigene Familie hinausgeht, war ihm wichtig, am besten verbunden mit gemeinsamem Singen am Lagerfeuer. Seine Freunde konnten sich auf ihn verlassen und er wusste, dass dies auch umgekehrt so war.

Wojtek Hann hat es geschafft, seine jugendliche Spontaneität auch in den Jahrzehnten nach der Studienzeit zu behalten; damit einher ging seine Zuversicht, etwas bewegen zu können. Er ließ sich von Schwierigkeiten nicht abschrecken, sondern war überzeugt, dass man Hindernisse doch irgendwie überwinden kann. Er wollte manches Mal das Unmögliche möglich machen und hat sich sicher auch hier und da die Zähne ausgebissen. Er war zäh und hat sich nicht geschont, wenn er sich für etwas einsetzte, das ihm am Herzen lag, seine Familie ganz zuvorderst. Sein Kopf war immer voll mit neuen Ideen. Gerne hätte er sich auch mehr in die polnische Politik eingebracht, aber er konnte sich nie ganz mit den existierenden Parteien identifizieren. Vielleicht war er dafür einfach zu „clean“, zu integer. Trotz hervorragender beruflicher Ergebnisse verlor er zweimal seinen Job bei staatlichen Förderbanken, da er der herrschenden Partei politisch nicht zuverlässig genug erschien oder sie seinen Job für politische Protegés brauchten. Das hat ihn betrübt und gekränkt, aber er ist immer wieder sehr schnell aufgestanden. Aufgeben, sich wegducken, faule Kompromisse machen, gehörte nicht zu seinen Eigenschaften.

Mit GFPS war Wojtek Hann eng verbunden. Sein Elternhaus in Breslau bot vielen GFPSlern in den 1980er Jahren großzügige Gastfreundschaft und er fand mit Monika zusammen auch in den Jahrzehnten danach immer Zeit, alte und junge GFPSler in ihrer Wohnung in Warschau zum Abendessen und Gespräch zu empfangen. GFPS war für ihn auch Inspiration für eigene Initiativen. Schon kurz nach der Wende gehörte er zu den Mitbegründern der Edith-Stein Gesellschaft in Breslau. Später unterstützte er die GFPS-Polska, die er 1994 mitbegründete. Wo er konnte trug er zu einem gelungenen polnisch-deutschen Gespräch bei, nicht zuletzt durch aktive Teilnahme an Treffen wie dem legendären Seminar Mitte der 1980er Jahre in der Tatra (Mały Cichy), das GFPS mitorganisierte; er war polnischer Patriot im Sinne Jan Józef Lipksis, ohne eine Spur von Nationalismus. In den letzten Jahren engagierte er sich für die Universität seiner Heimatstadt als Vorsitzender des Universitätsrates. Die Bildung künftiger Generationen lag ihm sehr am Herzen. Hier sah er einen Schlüssel, auch für die Zukunft Polens. Er bedauerte lediglich, dass der Universitätsrat nur beratende Funktion hatte, ohne etwas durchsetzen zu können. Er war kein Mann, der nur der Ehre willen in einem Honoratioren-Gremien sitzen wollte, sondern jemand, der realen Einfluss auf die Umsetzung seiner Ideen haben wollte. Es war ihm eine konstruktive Ungeduld eigen, die ihn dauernd zu Neuem antrieb.

Als Wojtek GFPS-Stipendiat in Karlsruhe war reiste er viel durch (damals noch West-) Deutschland, immer als Tramper. Er war der Tramp-Weltmeister unter den StipendiatInnen. Er hatte das tiefe Vertrauen, dass ihn immer jemand mitnimmt und es wurde nicht enttäuscht. Mit diesem Vertrauen ist er ins Leben gezogen. Mit diesem Vertrauen hat er sicher auch die Skitour unternommen, bei der er in den georgischen Bergen jetzt jäh aus dem Leben gerissen wurde. Nur Gott weiß, warum das jetzt schon sein musste.

Wir trauern mit Monika und Jacek. Möge die Erinnerung an all das Gute, das Wojtek Ihnen und so vielen Menschen getan hat, sie trösten und helfen, die nächsten Schritte zu tun. Für alle in der GFPS, die ihn kannten, wird er ein Vorbild sein.

Georg Ziegler, GFPS-Vorsitzender 1984–89

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