Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS) e. V.

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GFPS-Städtetage in Breslau - und schon ein bisschen heimischer in Polen

Völlig übermüdet und voller Eindrücken der letzten vier Tage fahren wir von der »Boczna 12« - dem Sammelpunkt im dubiosen Bahnhofsviertel von Breslau nach Hause. Unser Weg führt mitten durch die tausendjährige Stadt, die uns in den letzten Tagen um soviel mehr vertrauter geworden ist, nicht zuletzt dank der stundenlangen Fußmärsche quer durch die Stadt. Hier und da scheint uns einer der zahlreichen Zwerge heimlich zuzuzwinkern, für die Breslau so bekannt ist und die wir - mit Lupe, Plan und Lockdüften ausgestattet - am Freitag eifrig gesucht haben. Hinter den Organisatoren und Teilnehmern der Städtetage liegt ein dicht gepacktes Programm, durch dessen Höhen und Tiefen wir Euch in den folgenden Absätzen mitnehmen.

Unter dem Stern der »Integracja« stand nicht nur der erste gemeinsame Beschnüfflungsabend. In einem der vielen Konferenzräume des Hotels begrüßten wir uns auf alle nur möglichen Arten, je nach Brauchtum in den verschiedensten Ländern der Welt, und stellten einander gegenseitig vor. Es gab viele neue Gesichter zu entdecken und man hatte die Chance, sich selig und moralisch auf den straffen Ablaufplan der folgenden Tage einzustellen.

Ja liebe Leute – der Wecker klingelte täglich um 7 in der Früh! Laut Plan sollte es täglich um acht Frühstück geben. Am ersten Morgen wurden unsere Mägen jedoch bitter enttäuscht: Mit hörbar knurrenden Bäuchen schleppten wir uns zum Willi-Brandt-Zentrum. Nach einem einführenden Vortrag über die deutsch-polnischen Beziehungen und das Wesen des Willi-Brandt-Zentrums wurden die Stipendienurkunden übergeben. Hiernach begrüßten wir freudestrahlend Tomasz Pirog, der uns unsere Frühstücksration verabreichte. Nachdem wir unsere »Kanapki« hastig verschlungen hatten, machten wir uns in Zwergenkleidung parabolischen Schrittes auf zur Zwergenjagd. Wir fotografierten in den nächsten zwei Stunden die überall in der Stadt verteilten Zwergenfiguren, die als Zeugen der politkritischen »orangenen Alternative« aufgestellt worden sind. Später hatten wir Gelegenheit, Tomasz Moczek - einer der Schöpfer der Breslauer Zwerge - in seiner Werkstatt zu besuchen. Vielleicht wird eines Tages ein von uns entworfener Zwerg in Breslau auftauchen? Denn als gemeinschaftliches Projekt dieses Tages haben wir selbst Entwürfe von Zwergen in allen möglichen Lebenslagen angefertigt. Abends diskutierten wir über die Struktur und die künftigen Projekte der GFPS Polska und gaben uns später ganz dem Breslauer Nachtleben hin…

Am nächsten Morgen - ja, schon wieder um 7 - wollten sich unsere Augen zwar nicht recht öffnen, jedoch brachten wir es fertig, pünktlich um 8 zum Frühstück zu erscheinen. Zur Freude unserer überanstrengten Füße schipperten wir am Vormittag auf der Oder dahin, und lernten zähneklappernd, was ein »Jaz« (= »Wehr«) ist. Nachmittags konnten wir uns bei einem Pantomime-Workshop ausprobieren. Unter Anleitung von Schauspielern des bekannten Breslauer Pantomime-Theaters stiegen wir hinter das Geheimnis von Michael Jacksons berüchtigten Moon-Walk und gingen an Grenzen des körperlichen Ausdrucks. Das war für alle eine Herausforderung, der sich einige stellten, und andere nicht. Auf der letzten der »Integracja« dienenden Feierlichkeit mobilisierten wir noch einmal alle verbliebenen Kräftereserven. Diese brauchten wir dann auch, um bis morgens durchzuhalten.

Mit einem abschließenden Runden Tisch beendeten wir am Sonntagmorgen die »Dni miast«, die bestimmt in jedem von uns ein gutes Gefühl hinterlassen haben.

Cordula Gründer, Marie Krause