Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS) e. V.

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Abschlußbericht zum Multiplikatorenseminar der GFPS e.V.

Das Multiplikatorenseminar 2001 vom 05.-08.04.2001 in Dresden wurde organisiert und durchgeführt von der GFPS e.V., GFPS-Polska und JANUA linguarum reserata und finanziert von der Robert Bosch Stiftung. Veranstaltungsort: Brücke/ Most-Stiftung zur Förderung der deutsch-tschechischen Verständigung und Zusammenarbeit

[Photo] Kennenlernen am Ankunftsabend
Kennenlernen am Ankunftsabend.

1) Zielsetzung und Vorbereitung

Das Multiplikatorenseminar der GFPS e. V. vom April 2001 lehnte sich konzeptionell an ein Seminar an, das die GFPS-Polska im November 1999 in Mikuszewo für Deutsche und Polen angeboten hat. Ziel des Seminars war es zunächst, potentielle InteressentInnen für die ehrenamtliche Arbeit im Rahmen der GFPS e. V. und ihrer Partnerorganisationen an bestimmte organisatorische Aufgaben heranzuführen. Aufgrund der großen Fluktuation an aktiven MitarbeiterInnen stehen die drei Vereine immer wieder vor dem Problem, ihre Erfahrungen an neue Mitglieder weitergeben zu müssen. Dafür eignet sich besonders ein Seminar, bei dem in lockerer Atmosphäre den TeilnehmerInnen die Hemmungen vor verantwortungsvollen Aufgaben genommen werden können. Die trilaterale Konzeption des Seminars zielte darauf, die Zusammenarbeit zwischen den drei Partnervereinen zu verbessern. Gerade trilaterale Kooperation braucht junge Leute, die sich nicht nur untereinander gut kennen und verstehen, sondern auch bereit sind, sich mit den Eigenarten und Problemen der jeweils anderen Länder auseinanderzusetzen und sich auf der Basis der gegenseitigen Kenntnis begegnen.

Organisiert wurde das Seminar von Dirk Hofmann, ehemaliger Kassenwart der GFPS e.V. sowie Ina Gamp, aktuelles Vorstandsmitglied der GFPS e.V. Unterstützt wurden sie bei der TeilnehmerInnenauswahl von Witek Moszyński, Mitglied der GFPS-Polska sowie Jana Doležálková, zweite Vorsitzende von Janua linguarum reserata.

Eingeladen wurden jeweils neun polnische, tschechische und deutsche Studierende. Die meisten von ihnen waren in früheren Semestern StipendiatInnen, haben am GFPS-Sprachkurs teilgenommen oder aus anderen Gründen Interesse an unserer Arbeit bekundet.

2) Verlauf und Durchführung

Am Donnerstagabend sind die TeilnehmerInnen angereist. Der Abend begann mit einer Vorstellung des Tagungshauses und der Brücke/ Most-Stiftung zur Förderung der deutsch-tschechischen Verständigung und Zusammenarbeit durch deren Leiter, Herrn Baumann. Die Schwerpunkte der Stiftung liegen im deutsch-tschechischen Jugend- und Kulturaustausch (bei großer Offenheit gegenüber anderen Ländern) sowie in der Aus- und Weiterbildung von Multiplikatoren. Aus diesem Grund fiel – angesichts der Zielsetzung des Seminars – die Wahl des Tagungsortes auf diese Stiftung.

Es schloß sich eine Kennenlernrunde der TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen an. Die folgende Vorstellung der GFPS e.V., ihrer Partnerorganisationen und ihrer gemeinsamen Tätigkeiten bildete dann die Arbeitsgrundlage für die Projekttage Freitag und Samstag.

Am Freitag wurden den TeilnehmerInnen mehrere Workshops angeboten, in denen verschiedene Aufgaben gelöst wurden. Sie bezogen sich auf ausgewählte Arbeitsschwerpunkte der GFPS: Funktion und Organisation der Stadtgruppen, Kontakt zu Stiftungen und die Organisation einer trilateralen Veranstaltung (z. B. des GFPS-Forums). Diesen Schwerpunkten sollten sich die TeilnehmerInnen durch die Auseinandersetzung mit Inhalten, Umfang und allgemeinen Problemstellungen annähern. Einer der Workshop-Inhalte bezog sich auf die Gestaltung eines Plakats zur Ausschreibung von Stipendien. Aus dieser Aufgabenstellung entwickelte sich zum einen eine sehr kreative Bearbeitung, und zum anderen eine fruchtbare Diskussion über die sinnvolle Gestaltung und den nötigen Informationsgehalt von Plakaten als einem grundlegenden Mittel zur Außendarstellung des Vereins und seiner Projekte.

Der Freitag wurde mit einem Besuch im Theater beschlossen.

Am Samstagvormittag stellte Frau Dr. Pflüger die Robert Bosch Stiftung vor, und Frau Schoppe berichtete über das Theodor-Heuss-Kolleg zur Demokratieförderung in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Es schloß sich eine Gruppenarbeit zur Theorie und Praxis der trilateralen Zusammenarbeit an. Anschließend stellte sich der Finanzbeirat der GFPS vor, vertreten durch Lutz Wengorz. Dann erfolgte eine Zusammenfassung der Gruppenarbeit vom Vormittag, die in ein Kurzreferat zur Theorie und Praxis der trilateralen Zusammenarbeit (Dirk Hofmann) und schließlich in eine Diskussion dazu mündete. Der offizielle Teil des Tages wurde mit einer mündlichen Feedbackrunde und dem Ausfüllen der bewertenden Fragebögen beendet. Es folgte eine Abschlußfeier in den Räumen der Brücke-Villa.

Die methodische Vorgehensweise wurde in großen Teilen von dem ersten Multiplikatorenseminar der GFPS-Polska übernommen, das sich als sehr erfolgreich erwiesen hatte. Um die methodische Vielfalt zu erhöhen, standen in Dresden hingegen neben der Arbeit in Kleingruppen, deren Ergebnisse im Plenum zusammengetragen und diskutiert wurden, auch Vorträge und Kurzreferate auf dem Programm.

3) Auswertung der Fragebögen

Auswertung der geschlossenen Fragen (Teile I – III)

  • 22 Fragen mit jeweils sechs Antwortmöglichkeiten (wobei die niedrigste Zahl die jeweils beste Antwortmöglichkeit darstellt), ergo
  • minimal 22 Punkte (22 x 23 = 506 (bestmögliche Bewertung)),
  • maximal 132 pro Fragebogen (132 x 23 = 3.036 (schlechtestmögliche Bewertung))

Skala pro Fragebogen:

22-33 Punkte
sehr gut
34-55 Punkte
gut
56-77 Punkte
mittel-Tendenz gut
78-99 Punkte
mittel-Tendenz schlecht
100-121 Punkte
schlecht
122-132 Punkte
sehr schlecht

Ergebnis der ausgewerteten Fragebögen: 1.061 Punkte – bei 23 Fragebögen bedeutet diese Zahl einen Durchschnitt von 46,1 Punkten pro Fragebogen (gut)

Die Verteilung der Punkte gestaltet sich in etwa wie folgt:

Innerhalb des ersten Fragenkatalogs (Allgemeine Bewertung) wurden die ersten beiden Fragen (nach der persönlichen Gesamteinschätzung des Seminars und nach der allgemeinen Organisation) durchweg positiv bis sehr positiv beantwortet. Gemischter fielen die Antworten zu den folgenden Fragen aus: Während die Zufriedenheit mit dem Programm in der Regel groß und mit der Unterbringung sehr groß war, werden die Aspekte »Verpflegung« und »Kulturprogramm« eher gut bis mittelmäßig bewertet. Die beiden Punkte »Atmosphäre während des Seminars« sowie »Auswahl des Tagungsortes (Dresden)« wurden wiederum mit sehr guten bis guten Noten besetzt.

Der zweite Fragenkatalog (Organisation) weist ebenfalls unterschiedliche Bewertungen auf, insbesondere in den Antworten auf die ersten beiden Fragen (nach der Information im Vorfeld und der Erreichbarkeit der Organisatoren); die Antworten reichen hier von sehr gut bis schlecht. Durchweg gut bewertet wurde hingegen die Frage nach der inhaltlichen Vorbereitung der Gruppenarbeit und der Diskussionen. Bis auf wenige Teilnehmer bewerteten fast alle Befragten auch den Anspruch der behandelten Inhalte sowie den Informationsgehalt der Vorträge und Diskussionen sehr gut bis gut.

Im dritten Fragenkatalog (Durchführung und Verlauf des Seminars) sieht die Bewertung folgendermaßen aus: Während die Frage nach der Flexibilität bei der Durchführung des Seminars durchschnittlich mit der Note »gut« bewertet wurde, sind die Antworten auf die Frage nach der sprachlichen Verständigung zwischen den Teilnehmern eher gemischt und liegen im Durchschnitt zwischen den Bewertungen »gut« und »mittel – Tendenz gut«. Das Problem der Dreisprachigkeit wurde nach Einschätzung der TeilnehmerInnen während der Gruppenarbeit deutlich besser gelöst als während der Diskussionen. Relativ eindeutig sind die Antworten auf die Frage nach der Verwendung der drei Sprachen: Sie liegen überwiegend im Bereich »nicht gleichberechtigt«.

Auf die Frage, ob sich die TeilnehmerInnen des Seminars eher in gemischtnationalen oder eher in deutschen, polnischen bzw. tschechischen »Grüppchen« aufgehalten haben, hat die Mehrheit der Befragten die beiden mittleren Werte 3 und 4 angekreuzt, was bedeutet, daß es während des Seminars eine Mischung der Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern gegeben hat, wenn auch keine überaus ausgeprägte.

Tendenzen zur Ausgrenzung einer der drei Gruppen gab es nach Aussage der meisten TeilnehmerInnen nicht. Bei denjenigen, die eine Ausgrenzung wahrgenommen haben, handelt es sich um polnische sowie tschechische TeilnehmerInnen, was in dieselbe Richtung weist wie die Antworten bezüglich der Verwendung der drei Sprachen, wo (allerdings auch von seiten der deutschen TeilnehmerInnen) eine eindeutige Dominanz des Deutschen konstatiert wurde.

Einheitlicher waren die Antworten wieder auf die beiden abschließenden Fragen, diejenige nach der Möglichkeit, während des Seminars Fragen, Anregungen und Kritik anzubringen sowie die nach dem Verhältnis von Arbeit und Freizeit. Beide Fragen wurden überwiegend mit mittleren Werten mit Tendenzen zur Note »gut« beantwortet.

Auswertung der offenen Fragen (Teil IV)

Alle 23 TeilnehmerInnen haben die Frage IV) 1 (Hältst Du das Seminar aufgrund seiner Konzeption, Organisation und Durchführung für wiederholenswert oder nicht?) mit »ja« beantwortet.

Als häufigsten Grund, weshalb das Seminar für wiederholenswert erachtet wurde, wurde eine Variation des Argumentes »gegenseitiges Kennenlernen« genannt (15x), und zwar auf verschiedenen Ebenen. Zum einen wurde sehr häufig auf die rein persönliche Ebene verwiesen – auf das persönlich bereichernde Erlebnis, neue Menschen und Angehörige anderer Nationen kennenzulernen. Dieses wurde sodann als Chance begriffen, eine Annäherung zwischen den drei Nationen zu ermöglichen. Des weiteren wurde es auf die Vereinsebene bezogen: eine Zusammenarbeit zwischen den drei Partnerorganisationen kann nur dann erfolgreich sein, wenn sich die jeweiligen Mitglieder auch bei solchen Gelegenheiten treffen, wo über die Vereine selbst gesprochen werden kann.

Etwa zehn Personen äußerten sich positiv darüber, daß ihnen neue Kenntnisse und Methoden für die Organisation trinationaler Projekte nahegebracht wurden. Drei Personen leiteten daraus direkt einen Motivationsschub für ein eigenes Engagement in diesem Bereich ab.

Folgender Punkt wurde zweimal genannt und als sehr positiv dargestellt: Es sei ein offener Austausch von individuellen Meinungen möglich gewesen.

Zwei TeilnehmerInnen haben diese Frage nicht beantwortet.

Zwei bei dieser Frage genannte Kritikpunkte werden in der vorliegenden Auswertung in die nächste Frage »Was müßte unbedingt geändert werden?« mit einbezogen.

Die folgenden Punkte wurden jeweils nur einmal genannt:

Das Seminar sei wiederholenswert, weil jeder potentielle Multiplikator wichtig sei. Die Vorstellung anderer Organisationen, wie der Robert Bosch Stiftung, des Theodor-Heuss-Kollegs und des Vereins Horizont, sei sehr positiv anregend gewesen.

Die zweite mit einem Text zu beantwortende Frage nach notwendigen Veränderungen wurde überwiegend mit einem Verweis auf das Sprachenproblem beantwortet (8x), welches in den Diskussionen im Plenum auftrat. Viele PolInnen und TschechInnen hatten mit Verständnisproblemen sowie Hemmungen zu kämpfen, sich in der auf deutsch geführten Diskussion zu beteiligen.

Von acht Personen wurde diese Frage gar nicht beantwortet.

Weitere Kritik – von fünf TeilnehmerInnen geäußert – betraf die inhaltliche und methodische Ausgestaltung des Seminars. Es wurde hierbei erwähnt, daß zu wenig Zeit für Pausen und Gespräche untereinander gewährt wurde (zwei Äußerungen), ebenso sei zu wenig Zeit für Diskussionen gewesen (1x), man hätte die Seminareinheiten vom Freitag und vom Samstag vertauschen sollen (1x); zweimal wurde die Auswahl der TeilnehmerInnen als nicht optimal bemängelt; einmal wurde bedauert, daß das Ziel des Seminars im Vorhinein nicht eindeutig klar gewesen sei und zweimal wurde das Kulturprogramm (keine Stadtführung) bemängelt.

Während einige Personen inhaltliche Verständnisschwierigkeiten bedauerten (offensichtlich PolInnen oder TschechInnen), äußerte sich eine augenscheinlich deutsche Person gegenteilig: inhaltlich wäre mehr Professionalität wünschenswert gewesen und der Anspruch sei zu gering gewesen. Hier schließt sich die Äußerung eines/r weiteren TeilnehmerIn an, der/die bemerkt, daß nicht ausreichend differenziert wurde zwischen TeilnehmerInnen mit und ohne Vorkenntnissen (Verweis auf Möglichkeit von »Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen«). Insgesamt wäre aber mehr Abstraktion von den Veranstaltungen der GFPS besser gewesen.

Die dritte Frage bestand aus einer Aufforderung, allgemeine Anmerkungen niederzuschreiben. Hier wurden einige Dinge aus den vorangegangenen Fragen wiederholt. So wurde noch zweimal auf das Sprach- und Gruppenproblem eingegangen, zweimal wurde erneut Kritik am Kulturprogramm geäußert. Zweimal war zu lesen, daß das Seminar zu eigenem Engagement anregen würde. Eine Person merkte an, daß man vor Beginn des Seminarprogramms die TeilnehmerInnen auf Änderungswünsche hätte befragen sollen. Des weiteren wurden sehr viele positive Worte über den Gesamteindruck und die Organisation verfaßt.

4) Beurteilung der Fragebögen

In die Beurteilung der Fragebögen fließen neben den Ergebnissen aus den Fragebögen auch Meinungen und Kommentare der TeilnehmerInnen mit ein, die während der mündlichen Feedbackrunde am Samstagabend geäußert wurden.

Als allgemeines Ergebnis der Auswertung der Fragebögen kann festgehalten werden, daß die Teilnehmer das Seminar als Ganzes durchschnittlich mit »gut« zensieren: Bei dem mit Punkten zu bewertenden Teil war eindeutig die Note gut feststellbar. Bei dem mit Text zu beantwortenden Teil ist von fast allen TeilnehmerInnen neben kritisch vermerkten Aspekten ebenso verzeichnet worden, daß es ihnen sehr gut gefallen habe, sie sich für die Möglichkeit der Teilnahme bedankten und oftmals wurde auch die Organisation gelobt.

Deutlich wurden dennoch auch einige Kritikpunkte aufgezählt, die sich vor allem beziehen auf (in abnehmender Häufigkeit):

  • Sprachenproblem
  • Kulturprogramm
  • Mischung der TeilnehmerInnengruppen
  • Information im Vorfeld und Erreichbarkeit der Organisatoren
  • Methodisches Vorgehen
  • Einzelne Punkte

Sprachenproblem

Die OrganisatorInnen mußten während des Seminars feststellen, daß es nicht – wie ausdrücklich geplant und in den Vorankündigungen beschrieben – möglich war, die Maßnahme dreisprachig zu gestalten. In der Durchführung hat sich dies als besonderes Problem herausgestellt.

In den Diskussionen im Plenum dominierten die deutschen TeilnehmerInnen. Redebeiträge von den ausländischen Gästen erfolgten beinahe nur auf Drängen der Gesprächsleitung. Hinzu kam, daß die deutschen MuttersprachlerInnen oftmals eindeutig zu schnell redeten. Dies führte noch mehr zu einem Rückzug der TschechInnen und PolInnen aus der Diskussion. Die SeminarleiterInnen wiesen mehrmals darauf hin, daß Redebeiträge in der jeweiligen Muttersprache erwünscht seien und übersetzt werden können (die SeminarleiterInnen sind mit der jeweiligen Sprachkompetenz ausgestattet). Dies erfolgte jedoch nur vereinzelt. Als dieses Problem mehrmals während des Seminars thematisiert wurde, kristallisierten sich dafür in erster Linie zwei Gründe heraus: die ausländischen TeilnehmerInnen erklärten selber, daß sie eine solche Diskussionskultur, wie sie in deutschen Gesprächsrunden gepflegt wird, nicht gewöhnt sind – vor allem an den Universitäten nicht lernen würden, ihre eigene Meinung zu vertreten. Dazu gehört ein Lampenfieber, vor einer großen Gruppe zu sprechen – und dann auch noch in einer Fremdsprache. Der zweite Grund für die unterschiedlich rege Beteiligung sind die Hemmungen, die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu erkennen zu geben – dies wurde sicherlich auch gefördert durch die Teilnahme tschechischer Germanistikstudentinnen, die mit herausragend guten Deutschkenntnissen aufwarten konnten und damit sicher andere TeilnehmerInnen in Verlegenheit brachten.

Diesem Problem muß bei zukünftigen trinationalen Maßnahmen Rechnung getragen werden. Offensichtlich ist es weder ausreichend, die ausländischen TeilnehmerInnen immer wieder zu ermuntern, noch die deutschen zur Rücksichtnahme aufzufordern. Die SeminarleiterInnen schlagen für die Zukunft folgende Wege vor: Es muß offensichtlich von Beginn an immer eine Übersetzung gestellt werden, um den Eindruck zu verhindern, einige Sprachen seien weniger erwünscht. Allen ausländischen Gästen muß vermittelt werden, daß sie uneingeschränkt in ihrer eigenen Sprache kommunizieren können – dies entspricht den grundsätzlichen Zielsetzungen der GFPS. Gerade weil es in den Reihen der GFPS viele PolonistInnen/ BohemistInnen bzw. GermanistInnen gibt, sollte dies möglich sein.

Die Sprachenfrage sollte in jedem Fall fester Bestandteil der Organisation im Vorfeld sein, d. h.: Die Aufgabe der Übersetzung muß eindeutig verteilt werden. Um den TeilnehmerInnen den Rückgriff auf die Möglichkeit der Übersetzung während der gesamten Veranstaltung zu gewähren, müßte die Sitzordnung entsprechend gestaltet werden. Wenn eine Veranstaltung in Deutschland stattfindet, sollten die deutschen TeilnehmerInnen aufgefordert werden, zum einen mehr polnisch/ tschechisch zu sprechen und sich zum anderen sprachlich mehr zurückzunehmen.

Eine andere Maßnahme, um die man wohl nicht herumkommt, besteht darin, die ausländischen Gäste öfter direkt anzusprechen und zum Reden aufzufordern. Dies kann helfen, langfristig Lampenfieber abzubauen. Es kann dabei hilfreich sein, immer wieder Spiele und Auflockerungsübungen in das Programm einzubauen, damit die Gruppe sich besser kennenlernt.

Kulturprogramm

Die Häufigkeit der Beschwerde über das Kulturprogramm steht nach Meinung der VerfasserInnen in keinem Verhältnis zur Bedeutung dieses Programmteils für das Seminar. Offensichtlich muß aber dem Aspekt mehr Rechnung getragen werden, daß ein ausgewogenes Kulturprogramm, welches die Wünsche der TeilnehmerInnen mit einbezieht, zum Wohlgelingen der ganzen Maßnahme beiträgt. Unbestritten bleibt, daß das Theaterstück nicht ideal gewählt war (Sprechgesang) und der dann offene Abend nicht besser organisiert war. Vielen TeilnehmerInnen fehlte eine Stadtführung durch die reizvolle Dresdner Innenstadt, obwohl diese von vornherein nicht im Programm vorgesehen war. Beim nächsten Mal sollte darauf geachtet werden, eindeutig anzukündigen, daß für so eine Unternehmung nicht genug Zeit ist und sie deshalb im Anschluß auf eigene Faust geschehen muß oder aber – auf Wunsch der TeilnehmerInnen – in das Programm eingebaut wird.

Mischung der TeilnehmerInnengruppen

Auffällig war, daß sich die TeilnehmerInnen während der ganzen drei Tage stark in nationalen Gruppen organisierten. Das hängt z. T. mit der TeilnehmerInnenauswahl zusammen, die von je einer Person in Polen, Tschechien und Deutschland erfolgte. Ergebnis dessen war, daß sich viele der Angehörigen einer Nation untereinander kannten und so in diesen »Cliquen« verblieben. Zwar wurde darauf geachtet, daß sich die Personen in der Kleingruppenarbeit mischten. Dennoch fand man sich hinterher wieder in alter Zusammensetzung zusammen, weil immer sofort zur nächsten thematischen Einheit übergegangen wurde und keine Gelegenheit zum persönlichen Gespräch entstand.

Diesem »Cliquenverhalten« sollte in zukünftigen Veranstaltungen ein wenig stärker entgegengewirkt werden. Zum einen sollten überwiegend TeilnehmerInnen eingeladen werden, die sich noch nicht kennen. Außerdem kann von vornherein eine Zimmeraufteilung festgelegt werden, welche die Gruppen national mischt. Sicherlich hängt eine solche Entwicklung aber auch von jeder einzelnen Seminarbesetzung ab. Ein Einwirken auf diese Tatsache liegt zudem auch – wenn sie erst einmal wahrgenommen wurde – in der Kreativität und Neugierde der TeilnehmerInnen.

Information im Vorfeld und Erreichbarkeit der OrganisatorInnen

Auf der deutschen Seite bestand das Problem, daß das Programm bei einigen der TeilnehmerInnen nicht angekommen ist, so daß sie sich nicht in gewünschtem Maße auf das Seminar vorbereiten konnten.

Was die polnischen und tschechischen TeilnehmerInnen betrifft, wurde deren Auswahl vollständig in die Hände je einer Tschechin und eines Polen gelegt, so daß hier kein direkter Kontakt zu den OrganisatorInnen bestand. Unter anderem darauf kann es zurückzuführen sein, daß vier angemeldete Personen letzten Endes nicht in Dresden erschienen sind. Ein persönlicher Anruf vor dem Seminar hätte dem u. U. entgegenwirken können.

Methodisches Vorgehen

Die TeilnehmerInnen äußerten Kritik an der methodischen Einseitigkeit des Seminars. Am Freitag wurde ausschließlich Kleingruppenarbeit geleistet, deren Ergebnisse dann im Plenum vorgestellt und diskutiert wurden. Am Samstag standen Vorträge und Kurzreferate auf dem Programm, unterbrochen durch eine erneute Einheit in Kleingruppen. Abschließend wurde wieder im Plenum diskutiert.

Für zukünftige Seminare sollte mehr Methodenvielfalt eingesetzt sowie eventuell längere und häufigere Pausen oder andere Formen der Auflockerung in Erwägung gezogen werden. Die SeminarleiterInnen werden sich dahingehend selber fortbilden sowie eine Materialsammlung anlegen.

Einzelne Punkte

Von den einzelnen Punkten, die genannt wurden, erscheint hier ledglich folgender relevant: Während des Seminars wurde deutlich, daß die TeilnehmerInnen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen ausgestattet waren – zum einen im Hinblick auf ihr Wissen über die GFPS und ihre Partner, zum anderen im Hinblick auf eigene Erfahrungen mit selbständiger ehrenamtlicher und organisatorischer Arbeit. Für jene, die ohne Vorkenntnisse teilnahmen, ging vieles zu schnell und wurde zu wenig erklärt. Hingegen waren ein paar Punkte für einige Erfahrenere eher überflüssig.

Dies führt zu der Schlußfolgerung, sich bei der TeilnehmerInnenauswahl in Zukunft genauer mit den polnischen und tschechischen KoorganisatorInnen abzustimmen.

5) Anmerkungen der SeminarleiterInnen

Bei einer Wiederholung des Seminars muß eine bessere Teilnehmerauswahl erfolgen, die verhindert, daß eine Cliquenbildung den trinationalen Austausch hemmt. Es muß darauf geachtet werden, daß nicht zu viele teilnehmen, die den Verein schon kennen und schon für ihn gewonnen sind, da die Veranstaltung schließlich auf Neuzugänge für die GFPS abzielt.

Den unterschiedlichen Vorkenntnissen der TeilnehmerInnen muß Rechnung getragen werden, indem die GFPS ausführlicher – evtl. methodisch bunter – vorgestellt wird. Dieser Programmpunkt des ersten Abends sollte mit einer Fragerunde verbunden werden, was die TeilnehmerInnen sich von der Maßnahme versprechen, welche Motivationen sie zum Mitmachen veranlaßt haben. Diese Anregungen kann man dann noch kreativ mit einbauen. Während des Seminars muß wiederum besser deutlich werden, was man mit dem erlangten Wissen direkt im Anschluß konkret anfangen kann – wie man also eine Stadtgruppe vor Ort aufbauen könnte und wie man sich außerhalb der großen Sommerprojekte in der GFPS engagieren kann. In diesem Sinne sollte der Brief, den die TeilnehmerInnen zwei Wochen nach dem Seminar erhalten haben, die Funktion einer Nachbereitung des Seminars und der weiteren Integration der TeilnehmerInnen in die Strukturen der drei Vereine erfüllen.

Die sprachlichen Verständnigungsschwierigkeiten sind ein bedeutendes Problem, dem wie oben beschrieben begegnet werden kann. Hier müssen die polnischen und tschechischen WorkshopleiterInnen besser eingesetzt werden.

6) Finanzen

Das Seminar wurde von der Robert Bosch Stiftung mit 10.000,– DM gefördert. Dieser Betrag wurde während des Planungsgesprächs zwischen Herrn Dr. Rogall, dem Vorsitzenden der GFPS e. V. Jörg Hainer und der Beisitzerin im Vorstand, Ina Gamp, festgelegt.

Im Nachhinein erweist sich der Betrag als ein wenig zu hoch, die Summe der Ausgaben beläuft sich auf 7.670,72 DM. Diese Differenz zwischen Kostenvoranschlag und tatsächlichen Ausgaben ergibt sich in erster Linie aus der fehlerhaften Einschätzung der Fahrtkosten für die polnischen und tschechischen TeilnehmerInnen. Zudem haben sich die Ausgaben dadurch um weitere 700,– DM verringert, daß vier TeilnehmerInnen nicht zum Seminar erschienen sind.

Ferner ist anzumerken, daß die Regelung in bezug auf die Teilnahmegebühren sich als ungerecht gegenüber einigen deutschen und polnischen TeilnehmerInnen erwiesen hat. Die anvisierte Verrechnung von Teilnahmebeitrag und Fahrtkosten hat dazu geführt, daß nur diejenigen TeilnehmerInnen aus eigenen Mitteln die Maßnahme mitfinanziert haben, deren Fahrtkosten oberhalb der Erstattungshöchstgrenze von 140,– DM (deutsche TeilnehmerInnen)/ 80,– DM (polnische TeilnehmerInnen)/ 70,– DM (tschechische TeilnehmerInnen) lagen.

Eine Belegliste über die Ausgaben des Seminars liegt diesem Abschlußbericht bei.

7) Schlußbemerkung

Sowohl aus Sicht der TeilnehmerInnen als auch aus Sicht der OrganisatorInnen kann das Seminar als ein Erfolg gewertet werden. Die TeilnehmerInnen äußerten sich weitestgehend positiv über die allgemeine Organisation und Durchführung, den Tagungsort, die angenehme Atmosphäre sowie die Möglichkeit, persönliche Kontakte zu jungen Menschen aus drei verschiedenen Ländern zu knüpfen. Hervorgehoben wurde – zur Zufriedenheit der OrganisatorInnen – ein positiver Lerneffekt.

Kritische Punkte waren vor allem im sprachlichen Verständigungsproblem zu sehen, sowie in der ungenügenden Mischung der TeilnehmerInnengruppen. Des weiteren empfahlen einige TeilnehmerInnen eine größere methodische Vielfalt.

Inwieweit das grundlegende Ziel der Einbindung neuer Aktiver in den Verein erreicht wurde, ist sicher erst mittel- bis langfristig zu sehen. Es haben jedoch bereits einige der TeilnehmerInnen ihre deutliche Motivation bekundet, sich künftig in der GFPS zu engagieren.

Insgesamt sind die OrganisatorInnen mit dem Verlauf des Seminars zufrieden und haben den Eindruck, kompetente und aufgeschlossene Menschen für die GFPS gewonnen zu haben. Das Seminar konnte auch deshalb so erfolgreich verlaufen, weil sich die Zusammenarbeit mit der Brücke/ Most-Stiftung sehr gut und unkompliziert gestaltete.

Aus Sicht der GFPS liegt die besondere Bedeutung, die das Seminar in jedem Fall wiederholenswert macht, in folgenden Punkten:

Es handelte sich um ein Forum für Mitglieder und Interessenten der drei Vereine. Diese wurden in den drei Tagen mit der GFPS und ihren Partnerorganisationen vertraut gemacht und beteiligten sich intensiv an der Diskussion über Zukunftsfragen der drei Organisationen. Zum Beispiel stellte der Finanzbeirat der GFPS, vertreten durch Lutz Wengorz, seine Arbeit vor, die darin besteht, die finanzielle Basis für die Zukunft zu sichern. Hieraus ergab sich eine engagierte Diskussion. Viele TeilnehmerInnen äußerten sich positiv über die Möglichkeit, Studierende mit ähnlichen Interessen kennenzulernen und grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten. Hieraus eröffnet sich die Chance, die trilaterale Zusammenarbeit langfristig zu verbessern – auf der Grundlage persönlicher Kontakte und sogar Freundschaften.

Die OrganisatorInnen hoffen, mit der Durchführung des Seminars zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben.

Ina Gamp, Dirk Hofmann