Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS) e. V.

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Trinationales Forum 2001

Das trinationale Forum 2001 zum Thema »Minderheiten« fand statt in Kraków und Wola Michowa (Bieszczady/Polen, südlich von Sanok) vom 18. bis 25. 8.2001.

Aus der Ausschreibung:

Unter dem Sammelbegriff »Minderheiten« versteht man eine Bevölkerungsgruppe, die sich durch bestimmte personale Merkmale von der Mehrheit abhebt. In allen drei Ländern (Tschechien, Deutschland und Polen) finden wir solche Minderheiten vor. Die Geschichte hat uns gezeigt, daß sich bestimmte Mechanismen im Verhältnis zwischen »Mehrheit« und »Minderheit« immer wieder wiederholen und oft tragische Konsequenzen zur Folge haben.

Viele Schwierigkeiten im Umgang mit »dem Anderen« (E. Lévinas) entstehen aus Mißverständnissen, Vorurteilen und gegenseitiger Unkenntnis. Das Forum 2001 will den Begriff »Minderheiten« ganz bewußt nicht auf seinen ethnischen Aspekt reduzieren. Es soll vielmehr ein breites Spektrum über wirtschaftliche (z.B. Arbeitslose), religiöse (z.B. Juden), geschlechtliche (z.B. Homosexuelle) und andere Minderheiten abgedeckt werden, das es erlaubt, Brennpunkte der öffentlichen Diskussion aufzunehmen und auf ihren Gehalt hin zu überprüfen. Es geht uns darum aufzuzeigen, daß es sich bei der Minderheitenproblematik nicht um einen Teufelskreis handelt, sondern daß es möglich ist, aufeinander zuzugehen und von einander zu lernen.

Die »Minderheitenproblematik« wird zunächst oft als »innere Angelegenheit« eines Staates betrachtet. Dies hat machtpolitische wie auch subtil-psycholgische Hintergründe. Deshalb erwarten wir eine sehr engagierte Diskussion, bei der herkömmliche Höflichkeitsfloskeln und Plattitüden wegfallen können. Das ist gut so, weil nur so ein echtes Kennenlernen anderer Mentalitäten stattfinden kann. Wir sind deshalb der Überzeugung, daß der trinationale Diskurs nicht nur die Wahrnehmung anderer Bevölkerungsgruppen innerhalb der beteiligten Länder, sondern gerade auch über die Grenzen hinweg zwischen den TeilnehmerInnen aus Tschechien, Polen und Deutschland verbessern wird.

In einem vereinten Europa der offenen Grenzen werden Begriffe wie »Europa« und »Europäer« integrative Elemente. Auf dieser Plattform aber tummeln sich viele unterschiedliche Gruppen. Das Forum 2001 soll ein Beitrag zur friedlichen Koexistenz dieser Gruppen sein. Es ist kein Zufall, daß das Seminar in den Bieszczady (Südostpoeln) stattfinden soll. Im historischen Galizien sind sowohl das friedliche Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen als auch die brutalen Ergebnisse rücksichtsloser Ideologie greifbar. Davon erwarten wir uns wichtige Impulse für das Seminar.

Das Forum 2001 wird in Kraków beginnen. Den TeilnehmerInnen soll anhand der jüdischen Geschichte der Stadt (mit Stadtführung, jüdischer Kleinkunst etc.) der Einstieg in die Thematik erleichtert werden. Wir planen eine Kooperation dem mit jüdischen Zentrum in Kazimierz, um in die die aktuelle polnisch-jüdische Debatte in Polen einzuführen. Der Hauptteil des Forums aber wird in einem Ort 50km südlich von Sanok in den Bieszczaden im Südostzipfel Polens statfinden. Jeder Programmtag wird unter ein bestimmtes Leitmotiv gestellt. Die Teilnehmenden haben dann die Möglichkeit, einen von sechs unterschiedlichen Workshops auszuwählen. Jeder Workshop wird am Ende des Tages abgeschlossen und faßt seine Ergebnisse für alle einsehbar zusammen. Die Teilnehmenden sind nicht an einen Workshop gebunden, sondern können sich täglich »ihr« Thema neu auswählen.

Der erste Tag soll einen humanwissenschaftlichen Zugang bieten. Ein Workshop könnte beispielsweise versuchen, soziologische Thesen zur Thematik zu erörtern, z.B. jene von Adam Schaff. In einem philosophischen Workshop könnte man nach »Humanethik im 20. Jahrhundert« über Albert Camus, Emmanuel Lévinas bis Jürgen Habermas suchen. Ein theologischer Workshop könnte Positionen bspw. der Katholischen Kirche erforschen: »Die Pastoralkonstitution »Gaudium et spes« des II. Vatikanischen Konzils«. Ein Psycholgie-Workshop könnte sich der Problematik widmen: »Vorurteile und Identitätsbildung – Gibt es einen Zusammenhang?«.

Nach solchen einführenden Betrachtungen wollen wir an den kommenden Tagen konkrete Sponnungsfelder in den einzelnen Ländern bearbeiten, z.B. »Einwanderungsgesetzbung in Deutschland«, »Die Mauer von Ustí – zum Verhältnis zwischen Tschechen und Sinti und Roma« oder »Antisemitismus im polnischen Wahlkampf«.

Berichte über das Forum in Wola Michowa

Über das Forum haben wir derzeit nur zwei Berichte:

  • Einen kleinen Fotobericht über das Forum in Wola Michowa
  • Workshopbericht über den Workshop »Definitionen - Was sind eigentlich Minderheiten?« von Thomas Habbe

Wer noch weitere Berichte hat, sende sie bitte an homepage@gfps.org! Wir freuen uns über jeden Veranstaltungsbericht über GFPS-Veranstaltungen.

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Letzte Änderung: 15.05.2006