Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS) e. V.

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Forum 2000 in Doubice

Die ersten Workshop-Berichte sind geschrieben. Das nächste »Forum« ist in Arbeit. Hier ein Nachgeschmack des Forums 2000 in Doubice/Tschechien und Kostprobe auf unseren Rundbrief 3/2000.

  •  Tschechisch-Polnisch-deutsche Diskussionsrunde

    Tschechisch-Polnisch-deutsche Diskussionsrunde

  • Areta

    Areta

  • Jeschken

    Jeschken

  • Kunst-Workshop

    Kunst-Workshop

  • Stara Hospoda

    Stara Hospoda

 

Workshop – Landeskunde

Der Ort Doubice in Nordböhmen liegt inmitten der drei Gebirgsformationen Elbsandsteingebirge, Lausitzer Gebirge und Böhmisches Mittelgebirge. Die unterschiedliche Flora und geologische Beschaffenheit der Erhebungen lassen sich bei Wanderungen durch das Terrain leicht beobachten: Im Elbsandsteingebirge herrschen Sandstein und Fichten vor, im Böhmischen Mittelgebirge prägen vor allem Basalt (sowie andere Erdgussteine) und Laubwälder das Landschaftsbild und im Lausitzer Gebirge dominieren Granit und Mischwälder. Am 1.1.2000 wurde hier der Nationalpark »Böhmische Schweiz« ausgerufen. Eine Wasserscheide durchzieht dieses Gebiet der Böhmischen Schweiz: Wasseradern auf ihrer östlichen Seite wenden sich der Elbe (»Labe«) zu und münden schliesslich in die Nordsee; Bäche und Flüsse auf der andere Seite der Wasserscheide fliessen in die Oder, die später in die Ostsee eingeht. An der Stelle, an der die Elbe Tschechien verlässt, befindet sich der geologisch tiefste Punkt des ganzes Landes.

Doubice befindet sich aber auch in einem der beiden tschechischen Ausläufer. Während sich der westliche Ausläufer (Schluckenauer Ausläufer / Sluknovsky vybezek) in das deutsche Staatsgebiet eingräbt, lugt der östliche (Friedländer Ausläufer / Frydlantsky vybezek) in polnisches Gebiet hinein. Nach der Wende 1989 ist die Grenze in diesem Dreiländereck durchlässiger geworden. Die Eisenbahnstrecke zwischen Liberec und Decin durchquert inzwischen alle drei Länder. Die Euroregion Nysa – Neiße – Nisa bemüht sich, wirtschaftliche, soziale, sprachliche Grenzen und insbesondere solche im Bewusstsein der Menschen zu überwinden. Es gibt z.B. gemischte deutsch-tschechische und deutsch-polnische Schulen. Die Universität in Zittau hat das Fach »Wirtschaft und Slawische Sprachen« eingeführt. Die Informationstafeln für Touristen sind dreisprachig und die Zusammenarbeit der Deutschen Bahn und CSD wird enger.

Während mehrerer Wanderungen und einem Tagesausflug entdeckten wir noch weitere – inoffizielle – Grenzlinien, die sich erst nach 1989 etabliert haben. So lassen sich anhand der Warenpreise touristisch-geprägte Gegenden von solchen unterscheiden, die vorwiegend von tschechischen Landsleuten frequentiert werden. Unter dem selben Aspekt erkennt man auch Differenzen, wenn man die Orte der sogenannten Vietnamesen-Märkte oder die Häufigkeit der »öffentlichen« Night-Clubs in eine Karte einträgt. Interessant war festzustellen, was auf den aus Deutschland kommenden Touristen in dem »Einkaufsparadies« Tschechien wartet: Das Warensortiment reicht von Alkoholika und Zigaretten über no-name Kleider bis zu Keramik-Zwergen.

Ausserdem haben sich die Vietnamesen-Märkte schnell auf einen aktuellen Trend in Ostdeutschland eingestellt. Überall werden unverbrämt selbstgebrannte CDs mit faschistischen Liedern angeboten. So konnten sich die Workshop-Teilnehmer im Laufe der Woche vergewissern, dass diese Region eine Grenzregion mit allen positiven wie bedenklichen Entwicklungen ist. Wir stiessen bei unseren Wanderungen aber nicht nur auf jetzige, aktuelle Grenzen, sondern wir fanden auch welche, die hier noch vor zehn Jahren existierten. Eine solche verschwundene Grenze ist z. B. die Abgrenzung des Militärgebietes bei Ceska Kamenice oder das Schloß in Decin, wo von 1968 bis 1990 sowjetische Soldaten stationiert waren.

Ein herzliches Dankeschön an die OrganisatorInnen: Dana, Christiane, Piotrek! Die Bilder sind von Christiane.

Jörg Hainer, Mirek Nemec